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Es bleibt nur die Erinnerung. Was kann man mitnehmen von einer glorreichen Vergangenheit, wenn sich die Rahmenbedingungen völlig verändert haben. Eine Bestandsaufnahme eines Vereins, der seit 60 Jahren existiert, sich de facto aber überlebt hat, um Neuem Platz zu machen.

1949 – Nachkriegszeit. Zeit des Neuaufbaus. Arbeiter des Grazer Puchwerks lassen nicht nur die Wirtschaft wieder erblühen, in ihrer Freizeit gehen sie in den (damals noch neuen) Baracken der Puchstraße ihrem Hobby Tischtennis nach. Im Sommer 1949 gründen sie die Sektion Tischtennis des Arbeitersportvereins Puch Graz. Der Sport wird nebenbei ausgeübt und es gibt darin keine Profis. So ist es möglich, dass die engagierten und talentierten Puch-Spieler innerhalb weniger Jahre an die Spitze des österreichischen Tischtennis vordringen und später um den Meistertitel in der Staatsliga mitkämpfen. Zahlreiche steirische und auch österreichische Meistertitel sollten die Vereinschronik veredeln.

1989 – Zeitenwende. Österreichs Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn trennen mit großen Bolzenschneidern den „Eisernen Vorhang“, den schäbigen Stacheldrahtzaun zwischen den beiden Ländern, durch. Der Weg in den Westen soll für Osteuropäer möglich werden. Wenige Wochen später feiern Deutschland und ganz Europa den „Fall der Berliner Mauer“. Aufbruchsstimmung herrscht in dieser Zeit nur politisch, im Verein ASV Puch ist eher Endzeitstimmung angesagt. Man feiert zwar sein 40-jähriges Bestandsjubiläum mit dem bisher letzten Aufstieg in die damalige Staatsliga B. Es sollte ein einjähriges Intermezzo werden. Ein Jahr später findet man die erste Mannschaft ASV Puch in der Unterliga Süd wieder. Renovierungen an der uralten, zum Teil schäbigen Baracke werden Jahr für Jahr verschoben. Den Vereinsverantwortlichen ist klar, dass mit dem aktuellen Aufwand und Möglichkeiten an die Erfolge vergangener Jahre nicht anzuschließen ist. Zwar gibt es Nachwuchsarbeit, aber ohne Visionen, noch einmal ganz Großes zu erreichen.

2001 – Y2K. Der große Crash zur Jahrtausendwende ist ausgeblieben, den Grazer Tischtennisverein hat es aber voll erwischt. Die neue Konzernleitung von Magna, die das frühere Puchwerk übernommen hat, veräußert die Liegenschaften in der Puchstraße, auf der auch der Fußballplatz und die Baracken der Sektionen Motorsport, Modellbau, Schach und Tischtennis gelegen waren. Der ASV Puch steht quasi auf der Straße und bestreitet ein halbes Jahr alle Meisterschaftsspiele auswärts. Im Sommer wird eine Spielgemeinschaft mit dem TTC Askö Feldkirchen eingegangen – SFP wird ins Leben gerufen.

2009 – Globalisierung, Freizeit-Überangebot. Trotz ungleich schwierigerer Rahmenbedingungen ist es nach wie vor möglich, die Jugend mit dem „alten Sport“ Tischtennis zu begeistern. Das geht auch mit der Konkurrenz von Gameboy, Playstation und Funsportarten. Dieser 2,8 Gramm leichte, 40 mm kleine weiße Ball übt einfach eine große Faszination aus. SFP geht in die neunte Meisterschaftssaison, 25 Kinder und Jugendliche bevölkern das Training. Und das, obwohl man nach wie vor im wenig einladenden Bunker der Hauptschule Feldkirchen spielt. So unmodern der Bunker ist, so modern ist der Außenauftritt von SFP mit der Homepage www.tischtennis-sfp.at. Und es passiert Eigenartiges in Feldkirchen: Die „Eindringlinge“ aus der verhassten Großstadt werden in der Marktgemeinde zwar noch immer nicht geliebt, aber zumindest respektiert. Und man baut für die Tischtennisspieler eine eigene kleine Halle. Der Nachwuchs gewinnt steirische und österreichische Meistertitel – wie in der guten alten Zeit. Mit gezielter Arbeit ist es also noch immer möglich, ganz vorne mitzumischen. Den ASV Puch Graz wird es wahrscheinlich nicht mehr lange geben, der langsame Übergang zu SFP sorgt aber dafür, dass der Geist weiter lebt.

Jene Leute, die bei Puch groß geworden sind, sorgen jetzt dafür, dass andere junge Leute bei SFP groß werden. Und da neben den Feldkirchnern und Grazern so viele Seiersberger bei SFP spielen, geistert schon seit einiger Zeit die Idee herum, den TTC Feldkirchen einmal umzubenennen in SFP –Seiersberg-Feldkirchen-Puch. Dann würde der Geist noch einmal 60 Jahre schaffen. Auch wenn das den jungen Leuten dann vermutlich egal sein wird.