Die österreichischen Tischtennis-Teams sind bei den Weltmeisterschaften in Shah Alam bei Kuala Lumpur im Achtelfinale ausgeschieden und belegen damit jeweils den geteilten neunten Endrang. Nach einem hauchdünnen 2:3 der ÖTTV-Damen gegen die Niederlande unterlag Österreichs Herren-Mannschaft im Duell um den Einzug ins Viertelfinale.

Nach zuletzt fünften Plätzen 2012 in Dortmund und 2014 in Tokio ist Österreichs Tischtennis-Nationalteam der Herren am Donnerstag bei den Weltmeisterschaften in Shah Alam bei Kuala Lumpur wie 2010 in Moskau im Achtelfinale ausgeschieden. Im Duell um den Einzug ins Viertelfinale unterlagen Stefan Fegerl, Robert Gardos und Werner Schlager Hongkong 1:3. Den ÖTTV-Punkt holte Werner Schlager.

Fegerl wurde bei den Europameistern von Teamchef Qian Qianli wieder auf Position eins nominiert, gegen Tang Peng glückte dem Niederösterreicher aber nur der Gewinn des Eröffnungssatzes. Danach hatte er gegen die druckvollen Schläge seines Gegenübers nur wenig zu bestellen. Ebenfalls lediglich einen Satz holte Gardos gegen Wong Chun Ting. Und Hongkongs Nummer eins fertigte im letzten Einzel Fegerl sogar 3:0 ab.

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Davor aber hatte das attraktivste Match dieser Begegnung stattgefunden. Der 43-jährige Schlager bekam es mit dem 18-jährigen Ho Kwan Kit zu tun. Als dieser auf die Welt kam, hatte Schlager seine ersten von fünf Olympischen Spielen bereits hinter sich. Letztlich hielt der für die WM nachnominierte Weltmeister 2003 den aufstrebenden Asiaten auch mit seiner Routine nach Abwehr eines Matchballes gerade noch in Schach.

Der Niederösterreicher war 2:0 in Front gegangen. Mit dem 2:0 für Hongkong im Rücken riskierte Ho danach mehr und gewann die nächsten beiden Durchgänge in der Verlängerung. Schlager vergab da drei Matchbälle und lag in Satz fünf 4:7 zurück. Nachdem er sich bei einem Time-out von Coach Qian Tipps geholt hatte, kam er auf, wehrte den Matchball ab und verwertete seinen vierten.

Schlager kam im WM-Verlauf viermal als Nummer drei des ÖTTV-Teams zum Einsatz, Chen Weixing die restlichen beiden Male. Nach einer persönlichen Bilanz von 3:1 resümierte er für sich über das gesamte Turnier gesehen auch zufrieden. „Aber auch die gesamte Mannschaft hat sich hier gut verkauft. Wir haben die extrem schwierige Gruppe überstanden, und gegen Hongkong zu verlieren ist keine Schande.“

Österreichs Tischtennis-Equipe der Damen vergab eine große Chance auf den Einzug ins Viertelfinale. Liu Jia, Li Qiangbing und Sofia Polcanova hatten sich gegen die Niederlande eine 2:0-Führung erarbeitet, mussten den Ausgleich hinnehmen, um letztlich in der letzten Partie nach Vergabe eines Matchballs noch 2:3 zu verlieren.

Zunächst war für die Österreicherinnen alles so perfekt wie kaum zu erwarten gelaufen. Die lange Jahre gegen Verteidigerinnen schwache Liu Jia hatte Li Jie dank ausgezeichneter taktischer Einstellung im Griff und fertigte die Defensivspielerin 3:0 ab. Noch unerwarteter kam ein 3:0 von Li Qiangbing gegen Ex-Europameisterin Li Jiao. Damit hatten die beiden Starspielerinnen des Weltranglisten-Dritten keinen Satz geholt.

Als Polcanova im Eröffnungssatz gegen Britt Eerland 10:3 vorangelegen war, schien der ÖTTV-Sieg nur eine Frage der Zeit. Umso mehr, da die Froschberg-Spielerin mit einem 4:0 im Head-to-Head ins Match gegangen war. Doch Eerland stellte sich besser auf Polcanovas Service ein und holte die nächsten neun Punkte bzw. den Satz. Damit war die Wende eingeleitet. Mehr als ein Satzgewinn war für Polcanova dann nicht mehr drinnen.

Nachdem sich die gebürtigen Chinesinnen Li Jiao und Li Jie in ihrer Muttersprache „heiß“ gemacht hatten, schlugen sie an der Platte zurück. Li Jiao wirkte gegen Liu Jia wie ausgewechselt, gab der Linzerin in diesem Klassiker mit 3:0 keine Chance. Li Qiangbing hielt gegen Li Jie letztlich besser dagegen, holte zweimal einen Satzrückstand auf. Im Entscheidungssatz trat bei 8:8 aber wohl vorentscheidend die Zeitregel in Kraft.

Gemäß dieser hat die servierende Spielerin nach einer Satzdauer ab zehn Minuten spätestens mit ihrem 13 Schlag zu punkten, sonst geht der Zähler an die Gegnerin. „Durch diese Regel war ich vielleicht bevorteilt“, erkannte Li Jie. Als Verteidigerin ist sie lange Matches gewohnt. Dennoch holte Stefan Fegerls Lebensgefährtin bei 10:9 einen Matchball, vergab diesen aber und musste letztlich mit 11:13 als Verliererin aus der Halle gehen.

Danach herrschte im ÖTTV-Lager Rätselraten. „Ich weiß auch nicht, was passiert ist“, sagte Polcanova über ihre Partie. „Als der erste Satz weg war, bin ich sehr nervös geworden.“ Auch Liu Jia fand in ihrem zweiten Match keine Mittel mehr. „Ich war nach dem schweren Spiel gegen Li Jie mental müde und fand einfach meine Konzentration nicht mehr“, gab sie an. „Egal was ich versucht habe, es hat nicht geklappt.“

Der Weltverband (ITTF) berichtete über einen der bemerkenswertesten Comeback-Siege der WM-Geschichte. Selbst Niederlande-Trainerin Elena Timina hatte nicht mehr mit dem Umschwung gegen die nun neuntplatzierten Österreicherinnen gerechnet: „Wirklich, bei Britts Rückstand gegen Sofia habe ich geglaubt, dass es vorbei ist. Aber dann haben sich die Dinge für uns plötzlich vom Schlechten zum Guten gewendet.“

Quelle: Salzburger Nachrichten