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Eine Hommage zum Abschied an unsere alte „Halle“ – oder wie auch immer man diese Spielstätte bezeichnen will.

Raimund Heigl – Scheiden tut weh. Tut es auch dann weh, wenn man sich von jemandem trennt, aber weiß, es kommt besseres nach? Nach gut einem Monat ist es zu früh, aber in ein paar Jahren werden ihm sicher einige nachtrauern, genau so wie jetzt einige Ostdeutsche der DDR nachtrauern.

Die Zeit im Tischtennisraum unter dem Turnsaal der Hauptschule Feldkirchen ist also vorbei. Bye, bye Bunker. Weiter geht es in der Halle des Lichts, in der Mühlweg-Arena, im neuen Tischtennissaal des Sportzentrums Feldkirchen. Der Bunker, wofür stand er, was hat er uns gegeben? Nach gängigen Idealen war er zumindest einmal nicht schön. Er war zu klein, vor allem zu niedrig, zu eng links und rechts, stickig, biestig. Aber er war immer für uns da. Er war verlässlich. Das sind Eigenschaften, die ihm viel Sympathie entgegen gebracht haben. Ein verlässlicher Partner, das ist etwas wert.

Fast 35 Jahre lang, seit 1975, haben einige hier gespielt. Franz Kern, Michi Stefanetti oder der junge Manfred Klinger sind hier groß geworden. Und die Generation mit Heli Greger, Robert Temmer, Christian Vretscha, Geri Trost, Harry Pracher oder verdienten Spielern wie Wolfgang Ogriseg, Toni Egi (was für ein Spieler!) oder Reinhold Utri (Grüße nach Polen!). Erst viel später kamen die Puch-Spieler dazu, 2001 war das. Für sie war die Umstellung nicht so groß, auch die Puch-Baracke war nicht viel schöner.

Obwohl er nicht schön war, haben wir ihn aber auch gern gehabt, den Bunker. Vielleicht haben wir ihn nicht geliebt, aber wir gern gehabt, das haben wir ihn. Vor allem dann, wenn die Gegner ihn gehasst haben und dieser Abneigung lautstark und wortreich Ausdruck verliehen haben. „Scheiß Halle“ haben sie gesagt zum Bunker und nicht nur das. Gegen die Wand getreten, um zu merken, dass diese sehr massiv gebaut ist. Geärgert, geschimpft, geflucht. Und später darüber gelacht. Dabei war früher alles noch viel schlimmer.

In den 80er-Jahren da flog noch regelmäßig der Verputz von der Decke, wenn man mit dem Ball dorthin geschossen hat. Und man musste wieder und wieder den Tisch abwischen. Überhaupt diese Verstrebungen in der Decke, diese Träger. Auswärtigen Spielern ist es nicht selten passiert, dass sie beim Aufwerfen zum Service genau dorthin geworfen haben. Fehler. „Scheiß Halle.“ Und hinten bröckelte die Farbe auch von der Wand. Und dieses grausame Gefühl, wenn man sich mit dem nass geschwitzten Leiberl an der saukalten Betonwand angelehnt hat. Und diese Sommertrainings, in denen jeder dritte Topspin unter dem Tisch landete, weil es so feucht war. Dafür war es immer kühl im Bunker, auch wenn es draußen 35 Grad hatte.

In letzter Zeit ist es oft laut geworden im Bunker. Die Kinder aus Feldkirchen und Umgebung haben ihn entdeckt oder vielmehr die Freude am Tischtennisspiel. Die Lautstärke hat den Bunker nicht sehr gestört. Er war es gewohnt von so mancher Schlacht in der Meisterschaft. „1. Klasse Graz“ – da geht es heiß her. „Gebietsliga Südwest“ – das klingt schon so gefährlich. In der Unterliga war es vergleichsweise friedlich, wenngleich auch mit Ausnahmen. Otto P. und Michael F. sollen da als Aushängeschilder gelten. Es ist nicht überliefert, wie viele Stoßgebete diese beiden Spieler abgegeben haben, als sie vernommen hatten, Feldkirchen (oder „Puch3“, kleiner Insiderschmäh) erhält eine neue Halle. Und dann mussten sie noch ein Jahr warten, weil sich da unten im Sportzentrum alles so verzögert hat.

Aber jetzt ist es so weit. Zum Abschied hat es auch noch „Bunkermeisterschaften“ gegeben. Heli Schwarz hat ja einiges gewonnen in seiner Laubahn – aber „Bunkermeister“, das hat schon was, oder? Und erst diese großartigen Doppel. Michi Stefanetti und Wolfi Kovacec im großen Kampf mit Ingrid Oberlenz und Gerald Pinkl, die Sieger Willi Zach und Stefan Faschauner.

Als letzter und gleichzeitig immerwährender Bunkermeister freue ich mich natürlich sehr über die neue Halle am Mühlweg. Die Zeit der Abschiede ist noch nicht vorbei. Es ist dies nämlich auch der letzte „Raimunds Konter“ in dieser Form, denn in wenigen Tagen wird ja unsere Homepage in ganz neuem Glanz erstrahlen (ich hoffe, das dauert dann nicht auch ein Jahr länger als geplant). Vielleicht wird meine Rubrik dann „Ausgeflippt“ heißen oder „Time out“. Oder Schmähparade. Lasst euch überraschen…

(Jaja, es hat dann mit der Homepage doch auch ein Jahr länger gedauert…)