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An dieser Stelle habe ich früher oft Vorkommnisse im steirischen Tischtennisverband kritisiert oder zynisch bewertet. Heute möchte ich einmal das Gegenteil tun: Eine Neuerung loben! Der steirische Verband hat die steirischen Meisterschaften der allgemeinen Klasse reformiert. Jetzt liegt es an den Vereinen und Spielern, das auch anzunehmen. Ich rufe dazu auf, das zu tun!

Es ist immer einfach, Dinge zu kritisieren. Wenn man dann an den Hebeln der Macht sitzt, ist es schon deutlich schwieriger vieles umzusetzen. Es gibt so vieles, das man bedenken muss, so viele Interessen, auf die man eingehen muss oder kann. Das betrifft die hohe Politik genauso wie das Verbands- oder Vereinsgeschehen. In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder kritisiert, dass die steirischen Meisterschaften nicht mehr das sind, was sie zu meiner Jugendzeit waren: Das Aushängeschild der steirischen Turnierszene, das Ereignis, das man als Spieler nicht verpassen wollte. In den vergangenen Jahren war es nur noch ein Ereignis für die Spitzenspieler, wir hatten immer Topspiele im Hauptbewerb und würdige Meister. Aber es gab keine Breite mehr. Früher, als ich angefangen habe, hatten wir weit über 100 Spieler am Start, da war ein Viertelfinale schon wirklich etwas wert, weil man mehrere Klassespieler schlagen musste. Am Schluss hat man ein Match gewonnen und stand im Viertelfinale, das zieht die ganzen Meisterschaften hinunter. Und wenn man in eine Halle kam, in der auf fünf Tischen gespielt wurde anstatt wie früher auf 16, dann wusste man, das alles ist nichts wert.

Jetzt kann das wieder anders werden. Denn der steirische Verband, angeführt von Präsident Wolfgang Heimrath, hat sich dazu entschlossen die Nebenbewerbe radikal zu reformieren. Es gibt nicht nur wieder einen D-Bewerb bei den Herren, es gibt jetzt sogar fünf Nebenbewerbe, abgestuft nach RC-Punkten und drei Damenbewerbe. Wer jetzt noch zu Hause bleibt, kann die Schuld nicht mehr beim Verband suchen, sondern muss sich selbst bei der Nase fassen und fragen: Liebe ich diesen Sport wirklich?

Für die Topspieler kann das einen angenehmen Nebeneffekt haben: Sie müssten ihre außergewöhnlichen Leistungen nicht mehr vor einer Handvoll anderer Spieler und Zuschauer zeigen, sondern könnten wieder einmal vor einer Hundertschaft an Zuschauern aufgeigen. Freilich, die Nebenbewerbe werden am Samstag fertig gespielt und der Hauptbewerb steigt erst am Sonntag, doch auch da sollten noch der eine oder andere Spieler den Weg in die Halle finden. Vielleicht setzt es sich ja auch bei der jungen Generation wieder durch, nach den Samstagsspielen gemeinsam essen zu gehen und vielleicht noch kurz abzufeiern, ehe man dann am Sonntag den Spielen der Topspieler zuschaut. Soll es früher schon gegeben haben…

Ich möchte Wolfgang und seinem Team zu dem Mut gratulieren, den althergebrachten Weg zu verlassen und etwas Neues zu probieren. Und ich möchte ihm Mut zusprechen, dran zu bleiben, auch wenn es beim ersten Mal vielleicht noch nicht so gut klappt wie erhofft. Solche Dinge brauchen ja manchmal ein bisschen Zeit und vielleicht muss man für das nächste Jahr auch noch an der einen oder anderen Schraube drehen. Das wichtigste an dieser Stelle aber ist ein Appell an all die Tischtennisspieler dieses Landes: Kommt zu den steirischen Meisterschaften, spielt mit und holt euch vielleicht euren Titel ab. Oder um es mit den Worten eines Amerikaners zu sagen, den ich im Übrigen sonst nicht so schätze: „Make table tennis in Styria great again!“ I’ll be there!