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Der Langzeit-Sektionsleiter des ASV Puch Graz, Rudolf Finster, verstarb am 19. Juni 2019 völlig überraschend im Alter von 69 Jahren. Rudi Finster prägte den Wiederaufstieg des ASV Puch Graz und war bis zuletzt Sektionsleiter des Partnervereins des TTC Feldkirchen. Die Arbeit in seinem Sinne fortzuführen, wird die Aufgabe der aktuellen Funktionäre sein.

Ing. Rudolf Finster begann 1974 beim ASV Puch mit dem Tischtennissport im Verein. Nur zwei Jahre später wurde er Sektionsleiter-Stellvertreter, 1977 dann Sektionsleiter. Er übte diese Funktion bis zum Abriss der Puch-Baracke 2001 aus und übergab danach die sportliche Leitung. Am Papier blieb er aber bis zuletzt Sektionsleiter und nahm regelmäßig an den Sitzungen des ASV-Puch-Gesamtvereins teil. Am 19. Juni verstarb unser Rudi in seinem Lieblingsurlaubsort in Kroatien. Die gesamte SFP-Familie trauert um einen besonders liebenswerten Menschen. Die Verabschiedung findet am Mittwoch, 3. Juli, um 15 Uhr in der Einsegnungshalle des Grazer Zentralfriedhofs statt.

Rudi Finster beim ASV Puch:
Eine Reise durch 45 bewegte Jahre

Begonnen hat alles im Schwimmbad. Wie bei so vielen Tischtennisspielern. Im legendären Puch-Bad, direkt neben dem Puchwerk in Thondorf gelegen, fand sich eine Gruppe von Werksangehörigen regelmäßig zusammen, um dem Tischtennissport nachzugehen. Das war Anfang der 70er-Jahre. Nach einiger Zeit veranstaltete die Tischtennissektion des ASV Puch Graz ein betriebsinternes Turnier. Das Ziel war klar: Neue Spieler für den Verein zu lukrieren. Die Zeit der Riege aus dem Konstruktionsbüro war gekommen. Durch ein ausgeklügeltes Taktik-Konzept von Rudolf Finster gewann die Riege aus dem Puch-Bad sensationell den Bewerb gegen andere Abteilungen, in denen gestandene Größen standen, etwa der langjährige Puch-Staatsligaspieler Hans Plha, von dem sich die Schwimmbad-Partie zuvor immer wieder Tipps geholt hatte. Nach dem Eintritt in den Verein trainierten Rudi Finster und seine Kollegen Ernst Neuhold, Ernst Gamerith, Hermann Jöbstl und Gernot Heigl sehr fleißig. Mit unterschiedlichem Erfolg nahmen sie später auch an der Meisterschaft teil.

Nur zwei Jahre nach dem Eintritt der Gruppe in den Verein 1974 gab es eine echte Krise. 1976 legte Sektionsleiter Leopold Zischka seine Funktion nieder, der gesamte Vorstand folgte ihm. Doch die neuen Spieler übernahmen Verantwortung: Gerd Emmert wurde Obmann, Rudolf Finster sein Stellvertreter, Gernot Heigl Schriftführer und Ernst Neuhold Kassier. Nach nur einem Jahr legte Emmert wie geplant seine Funktion nieder, Rudi Finster übernahm die Sektionsleitung. Schon nach kurzer Funktionärstätigkeit stemmte die neue Generation 1979 ein Johann-Puch-Gedenkturnier in der Askö-Halle mit 473 Nennungen in elf Bewerben! Siegespreise waren damals ein Puch-Moped sowie zwei nagelneue Puch-Fahrräder. Kein Wunder, dass Spieler aus ganz Österreich um diese Trophäen kämpften!

Durch seine verbindende Art gelang es Rudi, alte Querelen beizulegen. Leopold Zischka gewann er als Berater des Vorstandes zurück, Fritz Steinmüller übernahm wieder das Jugendtraining. Mit der Generation Helmut Schwarz, Gerald Feichtinger sowie Gerd und Günther Hascher hatte der ASV Puch zu dieser Zeit ja auch einige Juwelen im Nachwuchs zu betreuen. Auch die Nachwuchs-Generation der 1980er-Jahre mit Gertraud und Raimund Heigl, Thomas und Rene Jöbstl, Rudis Sohn Harald Finster sowie Wolfgang Kovacec sorgte für zahlreiche Erfolge.

Rudi Finster war mehr als nur ein Verwalter des Vereins, er war seine Seele. Irgendwelche Meistertitel aufzuzählen, die es in seiner Ära zuhauf gab, sei es in der Steiermark oder österreichweit, würden seinem Wirken nicht gerecht werden. Der Aufsteig der ersten Mannschaft in die Staatsliga B 1987 sei hier dennoch stellvertretend erwähnt. Denn Rudi war vor allem ein Brückenbauer. Er hat es verstanden, aus dem zuweilen streitbaren ASV Puch einen bei anderen Vereinen beliebten Klub zu machen. Das wichtigste war ihm nicht der sportliche Erfolg, obwohl er diesen durchaus auch immer im Auge hatte, sondern das gute Auskommen mit den sportlichen Rivalen.

Und das hat er an die nächste Generation weiter gegeben. Mit den Kindern im Verein konnte der zweifache Familienvater, Sohn Harald spielte in den 80er-Jahren selbst im Puch-Nachwuchs, extrem gut umgehen. Er stand ihnen mit Tipps für ihr Spiel zur Seite, aber er imitierte auf dem Weg zum Training auch gerne einmal zum Gaudium aller einen Rallyefahrer. Und obwohl er erst sehr spät mit dem Meisterschaftstischtennis begonnen hatte, wurde er ein verlässlicher Unterligaspieler, der mit seinem Blockspiel und unbändigem Kampfgeist viele höher eingeschätzte Spieler bezwingen konnte.

Rudi Finster bei seiner Ansprache anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des ASV Puch Graz 1999

1999 feierte der ASV Puch Graz im Speisesaal des Werks in Thondorf mit vielen aktiven und ehemaligen Spielern sein 50-Jahr-Jubiläum. In seiner Ansprache drückte Rudolf Finster den Wunsch aus, dass der Sektion noch viele Jahre bevorstehen sollten, denn das Ansinnen der neuen Werksleitung unter Frank Stronach, die alten Baracken in der Puchstraße abzureißen, waren da schon präsent. Nur eineinhalb Jahre später war es so weit und der ASV Puch stand sprichwörtlich auf der Straße. Raimund Heigl übernahm die sportliche Leitung des Vereins und fixierte die Spielgemeinschaft mit dem TTC Feldkirchen. Rudi Finster blieb offiziell Sektionsleiter, das dies ein Werksangehöriger sein musste und junge Funktionäre, die auch bei Magna arbeiteten, nicht in Sicht waren. Die tollen Erfolge der Spielgemeinschaft verfolgte er mit Freude und unterstützte sie mit zahlreichen Initiativen, vor allem finanziell, wie etwa bei der Anschaffung von neuen Tischen. Außerdem vertrat er die Sektion regelmäßig bei den Sitzungen des ASV-Puch-Gesamtvereins.

Am 19. Juni 2019 verstarb Rudolf Finster im Alter von 69 Jahren völlig überraschend in seinem geliebten kroatischen Urlaubsort. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau, seinen beiden Kindern, den zwei Enkelkindern und der ganzen Familie.

Auch die ASV-Puch-Tischtennisfamilie empfindet große Trauer. Denn mit dem Tod von Rudi ist eine Ära zu Ende gegangen. Den ASV Puch Graz gibt es seit dem Jahr 2001 nur noch auf dem Papier. Dennoch sind alle Erfolge, die seither bei SFP passiert sind, im Geiste des ASV Puch passiert. Das Wissen über den Sport wurde von den Puch-Spielern nach Feldkirchen transferiert, ein florierender Nachwuchs aufgebaut und die zwei Vereine wurden in Windeseile zu einer großen Einheit. Die Marktgemeinde Feldkirchen unterstützte all diese Entwicklungen, natürlich vor allem mit dem Bau der neuen Halle, aber auch mit allen Adaptierungen seither und vielen weiteren Unterstützungen.

Rudolf Finster (rechts) mit Trainer Fritz Steinmüller (links) und der ersten Mannschaft Ende der 70er-Jahre mit Günther Hascher, Helmut Schwarz und Fritz Koboth

Abschließend ein paar persönliche Gedanken zu Rudi Finsters Ableben von Raimund Heigl, dem sportlichen Leiter von SFP: „Wir haben bei SFP mittlwerweile natürlich unsere eigenen Ziele und Vorstellungen. Mir ist es aber besonders wichtig, alle weiteren Schritte im Gedenken an Rudi zu setzen. Ich habe 1981 als Siebenjähriger bei Puch mit diesem Sport begonnen und habe Rudis Art und Weise, einen Verein zu führen, von klein auf mitbekommen. Natürlich ohne das als Kind am Anfang irgendwie bewerten zu können. Doch als ich selbst Verantwortung zu übernehmen begann, war mir schnell klar, was ich machen wollte: Eine klare Linie zu haben, ohne alle vor den Kopf zu stoßen. Mit allen über Probleme zu reden und zu versuchen, eine Lösung zu finden. Ich glaube, dass Rudi das besser konnte, als ich es kann. Aber der Wille, es ihm gleichzutun, ist nach wie vor da. Und ich denke, dass es einfach wichtig ist, so ein Vorbild zu haben. Ein Vorbild sucht man sich aus, weil man vieles so machen möchte, wie diese Person. In der Führung eines Vereins habe ich viele Menschen erlebt. Rudi Finster war eines jener Vorbilder, denen es nachzueifern gilt. Sein unerwarteter Tod hat mich sehr getroffen. Vielleicht werden wir die Sektion Tischtennis des ASV Puch Graz bald schließen müssen. Wir haben diesen Schritt wegen der großen historischen Bedeutung in den vergangenen 18 Jahren nicht gewagt. Doch selbst wenn wir ihn setzen sollten, wird klar sein, dass der Geist des „ASV Puch Graz – Sektion Tischtennis“, so wie ihn Rudi Finster vorgelebt hat, niemals vergessen wird. Dafür werde ich kämpfen. Ruhe in Frieden, Rudi!“